Vergangene Produktionen

ASYYYL!!! (2023)

Welchen Hindernissen müssen sie sich stellen und finden sie, am Ziel angekommen, ein besseres Leben?
Unter Verwendung von Motiven und Auszügen von Stefan Heym (“Lenz oder die Freiheit”) und Anna Seghers (“Transit”) beschäftigt sich die Autorin Petra Seedorff mit diesen und anderen Fragen.
Das Ergebnis ist eine Szenensammlung über Menschlichkeit und Unmenschlichkeit, Hoffnung und Verzweiflung und die absurd hohe Bedeutung eines Stückchens Papier.
Menschliche Momente aus Historie und Mythologie zeigen immer wieder ganz deutlich:
Flucht und Vertreibung sind uralte, sich erschreckend unablässig wiederholende Geschichten.

Brennende Nesseln (2022)

„Brennende Nesseln“ ist eine Geschichte über Elektrizität, einen Schlüssel & Wut.
Über Gruppen und deren Überleben in einer Welt, in der die öffentliche Ordnung zerbrochen und Kampf Normalität ist.
Über eine Tochter, die ihre Mutter ermordet.
Aber vorallem ist „Brennende Nesseln“ eine Geschichte über eine Frau auf der Suche nach Gewissheit und Ruhe in einer chaotischen Welt.

Eine Weihnachtsgeschichte (2019)

In dieser Geschichte dreht sich alles um Ebenezer Scrooge, der die Bezeichnung alter Geizkragen wahrlich verdient. Kaum jemand ist fixierter auf materielle Dinge und vergisst dabei das wesentlich Menschliche, als eben dieser Alte. Doch lässt sich ein solcher Mensch noch ändern? Seine lang verstorbene Geschäftspartnerin Marley und drei Geister (der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft) versuchen es! Die Inszenierung versetzt die Geschichte aus dem 19. Jahrhundert in die heutige Zeit – ohne dabei den Charme und die Finesse des großartigen Charles Dickens zu verlieren.

Iphigenie in Freiheit / Die Perser (2019)

Als Aischylos, einer der drei großen antiken Tragödiendichter, 472 v. Chr. Die Perser schrieb, lag die Seeschlacht von Salamis, von der das Stück handelt, erst acht Jahre zurück. Zum Antikriegsstück wird es, weil der Dramatiker den Krieg aus der Perspektive des geschlagenen Feindes, der Perser schildert, die durch ihre Überwindung der Meeresenge zwischen Asien und Europa den Zorn der Götter herausgefordert hatten, so die Lesart des Stückes. Statt also zu triumphieren, lädt Aischylos seine Zeitgenossen ein, sich in den besiegten Gegner hineinzuversetzen. Nebenbei lässt er die kleine attische Polis, der es gelungen war, das zahlenmäßig überlegene persische Heer zu vernichten, in strahlendem Glanz erscheinen. Hier prallen nicht nur zwei Staaten aufeinander, sondern zwei unvereinbare politische Kulturen – Demokratie gegen Despotie, die freiheitsliebenden Athener gegen das persische Riesenreich mit seinem gottgleich verehrten Monarchen an der Spitze. Vor allem unter dieser Warte ist das Stück auch heute noch fruchtbar.
Neben seiner Arbeit als Dramatiker bringt sich Aischylos auch in staatlichen Belangen ein: Er nimmt 490 v. Chr. an der Schlacht bei Marathon und 480 v. Chr. an der Seeschlacht von Salamis teil. In beiden Schlachten kämpfen die Griechen gegen die Perser.

Brauns Umarbeitung der unzähligen Tragödien zum Iphigenie-Mythos ist eine literarische Parodie auf den politischen Stillstand in der deutsch-deutschen Wende-Zeit. Sie bildet die üble Gegenwart in der edleren ‚griechischen Vorzeit‘ ab.
Zu Beginn des Stücks kehrt Orest zu seiner Schwester Elektra heim. Jedoch weigert er sich, die eigene Mutter zu ermorden. Später treffen die beiden Geschwister auf ihre ältere Schwester Iphigenie, die in den Westen zurückkehrt und sich selbst nur wie ein Objekt in der Entscheidungsgewalt anderer fühlt. Einem anderen Geschwisterpaar aus der griechischen Mythologie begegnet man kurz vor Schluss: Antigone mit ihrem bereits toten Bruder Polyneikes, den sie in Ravensbrück, einem im dramatischen Text zum Supermarkt gewordenen KZ nicht begraben kann. Hier wird der Warencharakter des Kapitalismus offenkundig. Die Abschlussszene eines am Rand eines Flugplatzes stehenden Beobachters wirkt vage wahnsinnig. Und, obwohl er sich selbst tötet, liefert sein Tod doch noch lebensspendende Wärme in einer Zeit, der es an Menschlichkeit mangelt.

 Die Verwandlung (2019)

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwacht, findet er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Unfähig, sein gewohntes, rastloses Schaffen fortzuführen, vegetiert er in seiner Kammer vor sich hin. Sein Umfeld findet keinen Zugang mehr zu ihm, trifft zwar zunächst die nötigsten Vorkehrungen, um sein Überleben zu sichern, entfernt sich aber immer weiter von ihm. Anfängliche Ratlosigkeit verwandelt sich in Abscheu, aus Abscheu wird Grausamkeit.
Franz Kafkas berühmte Novelle berührt auch heute noch zutiefst – besonders dort, wo wir unsere tagtäglichen Verwandlungen vollbringen: in unseren Rollen im Beruf, der Familie, im Freundeskreis, den sozialen Medien. Sind wir nur noch das, was wir den anderen von uns preisgeben?
Die Inszenierung von APART bedient sich an Kafkas unverwechselbarer Sprache sowie eigenen Texten. Sowohl klassisch auf der Bühne als auch filmisch werden Themen wie digitale Selbstinszenierung, Entgrenzung und soziale Erwartungen von Mitmenschen aufgegriffen. Und wer sagt, dass Gregor Samsa nur ein Gesicht hat?

 A number of ways (2018)

Eine WG ist genervt. Vom Alltag und voneinander. Eine Party soll die Stimmung heben. Aber statt zu feiern, müssen sich die vier Mitbewohner mit merkwürdigen Dingen herumschlagen. Der Abend wird immer mysteriöser. Eine unerwartete Entdeckung stellt das Leben der vier komplett auf den Kopf. Plötzlich finden sie sich an anderen Orten wieder – Kubanische Zigarren, Da Vincis Werkstatt, ein wallendes Ballkleid, Unterwasserwelten. Sogar die Zeit scheint verrückt zu spielen. Die vier sind orientierungslos und haben keine Ahnung, was das soll. Aber die Reise geht weiter und weiter. Immer wieder neue Erfahrungen, neue Puzzle-Stücke. Langsam fügt sich ein Bild zusammen, ein System dahinter. Wohin führt die Reise die Mitbewohner? Was hat sie für einen Sinn? Und werden die vier am Ende wieder zurück nach Hause finden?
Das Stück erzählt davon, dass das Aufgeben von Kontrolle nicht immer schlecht sein muss. Thematisiert werden die ständige Suche nach einem Sinn in allem, das Streben nach Profit und der zwischenmenschliche Umgang, für den wir zunehmend die Sensibilität verlieren.

 Einer flog über das Kuckucksnest (2018)

Oberschwester Ratched hält die ihr anvertrauten Patienten der psychiatrischen Station im festen Griff. Wer aus der Reihe tanzt, wird streng in seine Schranken verwiesen – selbstverständlich nur zu seinem eigenen Besten. Neuzugang R. P. McMurphy erlebt die Anstalt als menschenverachtendes System, macht es sich zur Aufgabe und Sport, die Oberschwester herauszufordern und probt mit den anderen Patienten den Aufstand.
Auf Grundlage des 1962 erschienenen Romans von Ken Kesey (1962) veröffentlichte Dale Wasserman 1963 die Theaterfassung, die bekannte Filmadaption von 1975 mit Jack Nicholson in der Hauptrolle gewann fünf Oscars. Die Geschichte bietet mit ihren sympathischen Figuren jede Menge Witz, hat aber auch Platz für ernste Themen.

 Die Perser (2017)

Der junge Perserkönig Xerxes eifert seinem verstorbenen, hochgepriesenen Vater Dareios nach. Mit einer Zehntausendschar von Männern zieht er in den Krieg gegen die Griechen. Es kommt zu einer historischen Schlacht mit verheerendem Ausgang für Xerxes’ Armee. Unterdessen beklagen in der persischen Heimat die zurückgelassenen Frauen den Verlust ihrer Männer. Königsmutter Atossa sieht sich dem Trümmerhaufen des einstigen Großreiches gegenüber… Krieg aus Sicht der Leidenden: Der einstige griechische Soldat Aischylos berichtet im ersten erhaltenen dramatischen Text der Menschheitsgeschichte von der Qual des Danach…

Erzengel flippern nicht (2017)

Herr Wetter, Opfer eines Streichs von Freunden und ein invalid geschossener junger Mann, beschließt ein solides Leben zu führen. Der Anfang eines irrwitzigen Traums. Als erstes abendfüllendes Stück Dario Fos wurde „Gli arcangeli non giocano a flipper“ (ital. Originaltitel) 1959 im Teatro Odeon in Mailand uraufgeführt. Zweiundzwanzig Jahre später wurde es von Peter O. Chotjewitz aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt. Es ist eine Hommage an die Spielfreude, die Fo in den 1950er auf den Bühnen zu vermissen schien. Ein Traum, der in der Wirklichkeit weiter Bestand hat und uns zwingt von der realistischen Darstellung abzulassen, zugunsten übertriebenen Humors. „Erzengel flippern nicht“ ist eine Kompilation aus Musik und Spiel; aus Surrealem und Existenzialismus.

Nachtasyl (2016)

Plakat NachtasylEin Ort ohne Zukunft und Hoffnung, ein Ort der zerstörten Träume, an dem gescheiterte Existenzen aufeinander treffen und alle Unterschiede gleichgültig werden. Ob man einmal gebildet, erfolgreich, reich oder angesehen gewesen ist: hier sind alle wieder gleich. Die anderen sind einem dabei genauso egal wie man es sich selbst ist. Der Alltag wird mit Alkohol, Gewalt, Rücksichtslosigkeit und Zynismus bewältigt. Leid ist dabei so gewöhnlich geworden, dass es niemanden mehr kümmert. Was aber passiert, wenn sich doch noch ein Mensch findet, der Hoffnung und Liebe empfinden kann? Ist es doch wahr, dass man jederzeit ein neues, besseres Leben beginnen kann? Ist es wahr, dass man alles kann, wenn man nur wirklich will? Willkommen auf der Suche nach der Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit. Willkommen im Nachtasyl!

APART – Theater mit Geflüchteten (2016)APARTPoster

Dieser Abend hat für die Gebrüder Grimm tausend und eine Nacht… Eine Nacht, in der die Zuschauer eintauchen in die universelle Sprache der unbegrenzten Phantasie. Sindbads Matrosen gegen den bösen Wolf? Kein Problem! In Kooperation mit TEAN e.V. präsentieren Mitglieder von PunkT.heater zusammen mit Geflüchteten eine kurzweilige Collage östlicher wie westlicher Märchenkunst!

 

Der Sandmann (2016)

12378015_1239404632756843_2360627819535713818_oWirken finstere Mächte von Außen auf ihn ein oder ist das Dunkel in seinem Innersten selbst angelegt? – Das ist die Frage, die den jungen Studenten Nathanael umtreibt, als er jemandem begegnet, den er längst aus seinem Leben verbannt zu haben glaubte.

Oder hatte ihm die Gesellschaft lediglich eingeredet, die Existenz dieses Jemand in Zweifel zu ziehen? Ist die Antwort auf seine Frage tatsächlich so eindeutig, wie ihm seine Verlobte weismachen will? Ist seine geliebte Clara überhaupt noch, wer sie einst war? Oder versteht ihn nicht eigentlich nur die sanftmütige Tochter des Professors? Sie, mit ihrer glockenklaren Stimme und ihren seelenvollen Augen… Welchen Plan verfolgt die Vorsehung und kann – darf – er sich ihr überhaupt entziehen?

Der Besuch der alten Dame (2015)

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Die Milliardärin Claire Zachanassian besucht die verarmte Kleinstadt Güllen, in der sie einst ihre Kindheit und Jugend als Klara Wäscher verbracht hat. Während die Einwohner auf finanzielle Zuwendungen und Investitionen hoffen, will Claire vor allem Rache für ein altes Unrecht: Als sie im Alter von 17 Jahren von dem 19-jährigen Güllener Alfred Ill ein Kind erwartete, leugnete dieser die Vaterschaft und gewann mit Hilfe bestochener Zeugen den von Klara gegen ihn angestrengten Prozess. Entehrt, wehrlos und arm musste Klara Wäscher ihre Heimat verlassen, gelangte jedoch später durch die Heirat mit einem Ölquellenbesitzer an ein riesiges Vermögen. Die inzwischen hochangesehene „alte Dame“ hat insgeheim, als Vorbereitung für ihren Besuch, in der Vergangenheit alle Güllener Fabriken und Grundstücke aufgekauft, um die Stadt allmählich zu ruinieren. Nun, 45 Jahre nach ihrer Vertreibung, unterbreitet sie den auf diese Weise für Korruption und finanzielle Strohhalme besonders empfänglich gewordenen Güllenern ein ebenso verlockendes wie unmoralisches Angebot…

Der Selbstmoerder (2014)

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Es geht um die Wurst! Zwischen dem arbeitslosen Semjon Semjonowitsch Podsekalnikow und seiner Frau Maria entfacht sich mitten in der Nacht ein Streit um Semjons Heißhunger auf Leberwurst. Doch das Problem liegt tiefer und Semjon droht mit Selbstmord. Während Maria, Schwiegermutter und Nachbarn panisch versuchen, Semjon vom Selbstmord zu be

wahren, erkennen andere die Gunst der Stunde: Warum nicht den Freitod eines armseligen Arbeitslosen für die eigenen Zwecke nutzen? Die verschiedensten Interessenten aus Politik, Gesellschaft und Kirche treten an Semjon heran um ihn zu überzeugen, sich für sie umzubringen. Von der ganzen Aufmerksamkeit geschmeichelt, freundet Semion sich mit der Idee an, so zum Nationalhelden aufzusteigen. Doch lohnt es sich dafür zu sterben? Es scheint jedenfalls kein Zurück mehr zu geben, denn der Sarg steht schon bereit, die Trauerkleider sind genäht und die Ehefrau weint – doch was wenn der Selbstmörder kalte Füße bekommt…?

Der grüne Kakadu (2013)

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Paris 1789: Georgette betreibt ein beim hohen Adel äußerst beliebtes Wirtshaus namens „Der Grüne Kakadu“. Doch handelt es sich bei ihrer höchst ungewöhnlichen Weinstube um eine Verbrecherherberge oder um eine zum Theater umfunktionierte Kneipe? Und sind die verdächtigen Subjekte, die dort ihr Unwesen treiben und mit ihren Schandtaten prahlen, Ensemblemitglieder oder wirklich das gefährlichste Gesindel Frankreichs? Draußen auf den Straßen von Paris beginnt das Spektakel der Revolution zu toben. Im „Grünen Kakadu“ dagegen werden die Gemüter von der Frage beherrscht, wo das Spiel (im Spiel (im Spiel?)) aufhört und die Realität beginnt bis schließlich Schauspieler- und Verbrecheridentitäten untrennbar miteinander verschmelzen und die allseitige Verwirrung schlichtweg ungeheuer ist.

Momo (2012)

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In der Moderne rollt nicht nur der Rubel unaufhörlich! Immer schneller drehen sich die Maschinen, die Konsumgelüste, der Fortschritt und die zivilisierten Gesellschaften um sich selbst, und geraten dabei völlig aus dem Gleichgewicht… und wer ist schuld? Momo beobachtet genau und erkennt es schnell, niemand braucht es ihr zu sagen: Es sind die Zeitsparkassen und ihre blassen, tristen, freudlosen Vertreter, die uns Menschen davon abhalten, unserer inneren Zeit Gehör zu schenken und der komischen Melodie zu lauschen. Momo, der Archetyp des kindlichen Gemüts, nimmt es auf mit einer Gesellschaft, die ihren größten Makel in Seele, Temperament und Gefühl sieht; einer Gesellschaft, die Kinder nur als zukünftige Lieferatnen für effiziente Gleichgültigkeit und maßlose Sucht nach allem begreift. Gerade deshalb trotzt die reine, naive Streunerin dem grausamen System; diejenige, die immun ist gegenüber der Augenwischerei eines herzlosen Systems und sich aufmacht, um der Vernebelung des Menschen Einhalt zu gebieten. Nicht furchtlos, aber doch bar jeder falschen Scheu, überwindet Momo für die Freundschaft alle Grenzen der Zeit!

Die vierte Inszenierung der Hochschulgruppe PunkT.heater nimmt sich Michael Endes Kinderbuchklassiker „Momo“ an, dessen zentrale Thematik mit jeder, immer schneller fortschreitenden Minute größere Brisanz erfährt. In einer Zeit, in der Produktionsprozesse und Entscheidungen immer schneller und schneller ablaufen, während Informationen stets komplexer und zahlreicher werden, gemahnt uns ein kleines Kind allein durch die Ausstrahlung seiner Seele zur Ruhe.

Gefundenes Fressen (2011)

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Hanna macht ihren Job unaufgeregt. Als sie jung war, gab es noch kein Internet, keine globalen Beziehungen und keine Gerechtigkeit… nur gute, alte Polizeiarbeit. Vieles hat sich seitdem geändert, einiges aber auch nicht. Doch nachdem ihr unerfahrener Kollege mit einem Loch im Kopf auf einer Landstraße bei Mainz aufgefunden wird, muss sich die Alte anders ausrichten. Ein neuer Partner, neue Methoden… aber alte Bekannte. Hanna versucht zu retten, was zu retten ist. In einem Schachspiel, das in ihrer Jugend begonnen hat und das sie im Begriff ist zu verlieren. Zug um Zug gerät sie fester in den Würgegriff eines skrupellosen Mörders, der ihr immer einen Schritt voraus zu sein scheint… Inspiriert von Friedrich Dürrenmatts Romanklassiker „Der Richter und sein Henker“ entfesselt PunkT.heater ein Verwirrspiel um Rache, Tod und Gerechtigkeit. Die dritte Aufführung der Theatergruppe spielt abermals mit den Dimensionen menschlicher Sinnstiftung. Der Twist ist bekannt! Doch der Weg zu Hannas Sieg bietet einige Überraschungen, moderne Perspektiven und antike Verknüpfungen. Gestartet hat Hanna ihre Vendetta am 17., 18. und 19. Mai 2011.

Fallen (2010)

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Luise, die sich nach der Liebe sehnt, eigentlich aber Freiheit sucht, wird von ihrem geltungssüchtigen Vater Dr. Magic, Inhaber eines Spielwarenladens, mit einem Heiratsversprechen an den ruppigen Versicherungsvertreter Oskar verkauft, dessen Liebe zu ihr einem Schraubstock gleicht. Ausgerechnet ein unschuldiges Kind muss unter ihrem Fluchtversuch zu dem Börsenmakler Simon leiden, der den Opportunismus des Aktienhandels auch in seinen zwischenmenschlichen Beziehungen praktiziert. Neben dem Spielwaren laden hat seine Verflossene Valerie ihren Kiosk und ist ein Bindeglied – zumindest zwischen allen Männern. Trotz ihrer Selbstständigkeit kann sie nicht allein sein und hält daher nicht einmal die Regel „Kein Sex mit Nazis“ ein. Der Zuschauer verfolgt das Auf und Ab der Figuren, die ihm zeigen, wie, wohin und wie tief man fallen kann. Und wer stellt diese Fallen? Da wären Gott und die ewigen Neider, das elende Schicksal und auch wir selbst. Zu guter Letzt ist es der Baukasten Leben, mit dessen Spielsteinen wir uns als Architekten versuchen: Hoffnung, Liebe, Tod, Eifersucht, Verzweiflung etc; alles spinnt sich zu einem amüsanten Netzt zusammen, und nicht selten bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Vor allem wenn die Erkenntnis dämmert, dass wir alle auf die eine oder andere Weise im Fallen begriffen sind. (April 2010)

And Die Möwe goes to… (2009)

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Ein Anwesen am großen Strom in der hintersten Provinz (genauer gesagt: Mainz!), ein Haufen egozentrischer, desilllusionierter Schriftsteller und Schauspieler, ein paar Flaschen Vodka und ein Selbstmordversuch – mehr braucht es nicht für eine düster-melancholische „Komödie“ nach russischem Vorbild. Worum es geht? Das weiß eigentlich keiner so genau… Denn um Probleme zu erkennen, müsste man ja den anderen zuhören. Auf jeden Fall aber „… muss immer auch die Liebe ne Rolle spieln!“ Und ob nun Mascha Konni liebt, Konni Nina, der Doktor die Frauen oder der Hausmeister Uschi Glas, ist in Wahrheit völlig gleich – weiß heute doch schon jedes Kind: Die innigste Liebe ist die Eigenliebe! Punkt. adaptiert mit „And Die Möwe goes to…“ einen Klassiker russischer Theaterkunst nach Brechtschem Vorbild erfrischend neu, verlegt die Handlung an die kleine Großstadt am Rhein und kokettiert mit neuen Theaterformen und alten Theaternormen! Ganz nach dem Motto „Für mehr jugendlichen Leichtsinn auf deutschen Bühnen!“ wird in diesem Stück innig geliebt, maßlos gehasst, häufig gemeckert, selten gespaßt- nicht nur auf der Bühne! (Juni 2009)